“[I’ve] Come a Long Way, Baby”

In diesem Beitrag mache ich mich ganz schön nackig, wie man so sagt. Das hat drei zentrale Funktionen: Dir erstens ein Beispiel zu geben für die Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit von Menschen, Dir zweitens zu vermitteln, dass so ein Wandel viele Jahre dauern kann und oft auch dauert((Es sind bei genauer Betrachtung viele, viele kleine Schritte, mitunter auch kurz zurück statt nach vorne; diese Schritte sind oft mit Erfolgserlebnissen und sichtbaren kleinen Ergebnissen verbunden und das ist es, was diesen Weg überhaupt erst möglich macht.)) und Dir drittens zu zeigen, was die Basis dessen ist, worauf ich “What the Flow?!” errichtet habe.

Mich kannst Du Anders Balari nennen. Mit den Themen, um die es bei WTF?! geht, beschäftige ich mich seit mehr als 25 Jahren. Während dabei bis Mitte der 2010er-Jahre die persönliche Entwicklung am Stärksten im Fokus stand, sind es seither nachhaltige persönliche, über alle Betrachtungsebenen von Sinn bis zur Einzelaktion sanft um hohe Stimmigkeit pendelnde Produktivität sowie in den letzten Jahren zunehmend stark auch soziale Systeme im Allgemeinen sowie die Organisation von Zusammenarbeit im Speziellen. 

Vieles davon trieb mich um, weil es direkte Relevanz für mein eigenes Leben hatte und hat. Immer schon hatte ich viele und breit gestreute Interessen sowie einen großen Wissensdurst. Je reifer mich die persönliche Entwicklung werden ließ, desto stärker wurde das. 

Auf meinem Entwicklungsweg durchlebte ich zwischen Ende 2004 und Anfang 2010 sogar drei Episoden des Burnout-Syndroms, bis allmählich die Balance gelang zwischen den zahllosen Interessen, den daraus aufsteigenden Ideen, den vielen sich ergebenden Projekten, meinem Idealismus sowie dem damit verbundenen Streben nach Verbesserungen auch außerhalb meines direkten Einflussbereichs und einer friedvollen Ausgeglichenheit, einem erfüllten Leben mit sehr häufigem Erleben von “Flow” in der Definition von Mihaly Csikszentmihalyi.

Das ist schön und gut für mich. Besonders interessant und potenziell hoch relevant für andere Menschen wird es dadurch, dass ich definitiv sagen kann: “[I’ve] Come a Long Way, Baby”, in Anlehnung an das für mich grandiose Musikalbum von Fatboy Slim

Du hast wahrscheinlich die eingangs erwähnte große Offenheit in diesem Text schon wahrgenommen. Du wirst in den folgenden Absätzen weiterhin auf große Offenheit treffen. Beides hat wie oben angemerkt gute Gründe und einen Zweck im Kontext von “What the Flow?!”. Ich bin, wer ich bin. Ich war, wer ich war. All das gehört zu mir, all das nehme ich an und liebe ich. Bei Einigem mag es gute Gründe geben, es zu verbergen, doch ich entscheide mich für die Offenheit, weil sie begreifbar macht, warum ich zu sagen und zu geben habe, was ich sage und was ich gebe. Die Offenheit ist somit nicht Selbstzweck, sondern ein Anschauungsbeispiel dafür, was möglich ist – mit Sicherheit eines von vielen auffindbaren und verwendbaren Beispielen, mir aus offensichtlichen Gründen aber das Vertrauteste, über das ich daher am Besten berichten kann.

In meinen Teenager-Jahren sowie bis in die frühen 20er war ich mit “soziopathisch” gut beschrieben, ich war bisweilen todunglücklich, extrem schüchtern, unbeholfen bis schroff in sozialer Interaktion, dabei dennoch zugleich überheblich, selten auch selbstherrlich, aber auch voller Minderwertigkeitskomplexe trotz an mir bemerkter sehr hoher Intelligenz, die mir selbst aber immer wieder mal als Dummheit erschien, ich war teilweise völlig orientierungslos, im Leben insgesamt, aber besonders im Abgleich anderer Menschen mit mir, die mir sehr fremd waren und ich ihnen, jenseits der Nachvollziehbarkeit ihres Denkens und Handelns, mich einsam machend ohne ein Wiederkennen im Anderen, das ich zwischen anderen Menschen in vielerlei Hinsicht als unausgesprochen gegebene Selbstverständlichkeit beobachten konnte, ich war aggressiv und regelmäßig gewalttätig, war manchmal voller Hass, mir selbst gegenüber, gegenüber anderen Menschen, gegenüber der Menschheit insgesamt, versuchte mich regelmäßig an erfolgloser Nachahmung, um Teil der Gruppen zu sein, an deren Rand ich vor mich hin mäanderte, ohne gemobbt zu werden, aber auch ohne hineingelassen zu werden, bloß auf Abstand gehalten und mich selbst auf Abstand haltend, ich war absturz- sowie suchtgefährdet und hatte Phasen mit stark erhöhter Suizidalität, in einigen Situationen hart an der Grenze zur Ausführung, mit einer lange stark wirkenden Gesamttendenz zu langsamer Selbstzerstörung. Diesen Satz habe ich eben nur beendet, weil er irgendwann gänzlich unlesbar werden würde, nicht weil ich ihn nicht noch viel länger hätte werden lassen können auf Grundlage des Menschen, der ich damals war und auf Grundlage dessen, was er durchlebte.

Kurzum: Wer mich damals kannte, würde mich heute nicht wiederkennen. Wer mich heute kennt, hätte mich damals nicht wiedererkannt und hätte mich wahrscheinlich nicht gemocht, allenfalls Mitleid empfunden.

Was ist geschehen, das aus dem stark verwundeten Kind den heute in sich ruhenden und ein erfülltes Leben lebenden Mann entstehen ließ? Ohne dass es mir lange Zeit klar war, habe ich “irgendwo begonnen und mich von dort aus mit Selbstevolution entfaltet”, irgendwann wurde daraus Proaktive Selbstevolution(B)((Falls Du den Suffix (B) noch nicht kennst, dann lade ich Dich dazu ein, den Beitrag Suffix (B) bzw. Vorbemerkung zu sprachlicher Präzision im Glossar zu lesen)). Das waren viele kleine Schritte. Es sind viele kleine Schritte. Es werden viele kleine Schritte sein, denn dieser Vorgang wird niemals enden.

Du beginnst auch ständig irgendwo und entfaltest Dich von dort aus mit Selbstevolution, das geschieht ganz automatisch und ist nicht vermeidbar, mein Modell dazu nenne ich Komplexe Chronologische Selbstähnlichkeit(B) oder kurz KoChSelbst(B). Für Dein Leben macht es einen großen Unterschied, ob und inwieweit Du Deine Selbstevolution(B) wahrnehmen kannst und in welchem Maße es Dir gelingt, daraus Proaktive Selbstevolution(B) zu machen. Das lehrte mich mein eigenes Leben, das lehrte mich Beobachtung anderer Menschen, das lehrte mich der Austausch mit ihnen.

Was für ein Mensch bin ich heute? Ich habe oben bereits erwähnt, dass ich in mir ruhe und ein erfülltes Leben lebe. Ergänzend dazu unten dann abschließend einige Aussagen von Kolleg*innen im Rahmen einer 360-Grad Reflexion für eine Fortbildung im Frühjahr 2022, als Antworten auf Frage nach meinen Stärken und danach, was davon ich besonders gut kann. Dabei geht es dann um den Kontrast zur Schilderung oben und darum, dass aus dem Menschen damals und dort der Mensch hier und jetzt werden konnte und wurde, was selbst erlebter Teil des Fundaments ist, auf dem What the Flow?!(B) ruht.

Bevor wir zu diesen Rückmeldungen kommen, aber noch mehr zum Inhalt meines Weges und auf welche Weise er in WTF?!(B) einfließt. Es ist ein Teil meiner Persönlichkeit, in die Breite zu gehen, alles zumindest kurz betrachten, was für mich von Relevanz sein könnte und wenn etwas verfängt, dann gehe ich für einige Zeit lang sehr intensiv in die Tiefe. Im April 2022 ergab eine testdiagnostische Untersuchung durch Dr. Karin Joder


Beitragsbild von Pfüderi auf Pixabay

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